Alkohol und die Adventzeit

In der Vorweihnachtszeit werden die Probleme im Zusammenhang mit Alkohol besonders offensichtlich. Wenn im Dezember die Temperaturen schon unter tags weit unter Null fallen und das Verlassen der eigenen vier Wände ohne Wollhaube und Handschuhe zur groben Fahrlässigkeit wird, erfreuen sich auch die Punsch- und Glühweinstände in den heimischen Adventmärkten regen Zulaufs.

Neben den klassischen Gustoständen mit ihren Lebkuchenkeksen, dem Kletzenbrot,  den Früchtespießen und den Schaumrollen reihen sich zwischen Textilienausstellern und Dekorartikelverkäufern auch die nicht weniger traditionellen Most- und Glühweinstände. Denn heiße Getränke zur Erwärmung des fröstelnden Leibes werden immer als Wohltat empfunden, auch in der Krise. Der Alkohol und die Geselligkeit am Punschstand sind Mitbringsel, denen man gemeinhin nicht ablehnend gegenübersteht.

Was man vergebens sucht, sind alkoholfreie Alternativen. Freilich, es gibt den Kinderpunsch und an den Glühweinständen hat man üblicherweise auch etwas Tee im Angebot, doch verdienen der ‚Kinderpunsch’ oder das Marginalangebot an Tees wahrhaftig die Bezeichnung Alternative? Der Name ‚Kinderpunsch’ impliziert, dass alkoholfreier Punsch den Kindern vorbehalten ist, während, wer kein Kind ist, natürlich alkoholhaltigen Punsch konsumiert. Einige Wiener Christkindlmärkte greifen nun auf die Bezeichnung ‚Autofahrerpunsch’ zurück, wobei auch das nichts daran ändert, dass Alkoholkonsum durch einseitige Angebote zum Ideal hochstilisiert wird und bestimmte Gruppen (Kinder, Autofahrer) eben als Ersatz ihre Extrawürstl serviert bekommen.

Woran es uns wirklich fehlt, sind Anbieter, die ihre alkoholfreien Getränke nicht als Extrawürstl für Randgruppenpublikum vermarkten, sondern sie aktiv für die breite Masse bewerben. Idealerweise mit einem engen, aber tiefen Sortiment. Im Handel bezeichnet man damit ein Sortiment, in dem wenige unterschiedliche Warengruppen existieren, das bei den vorhandenen Produkten aber besonders in die Tiefe geht, das heißt: Es gibt zwar nur Tees im Angebot, hiervon aber Darjeeling, Schwarzen Tee, Grünen Tee, Englischen Tee und sogar tibetischen Buttertee. Hinsichtlich der starken Glühweinkonkurrenz müsste man mit (nicht nur für junge Menschen) erschwinglichen Preisen punkten, ein innovatives Produktdesign wäre als Alleinstellungsmerkmal das Tüpfelchen auf dem i und würde das eigene Angebot auszeichnen. Freilich, man sollte risikofreudig sein und der Wille zum ‚Traditionsbruch’ müsste gegeben sein.

Zumindest eine gewisse Risikofreudigkeit ist in der Vorweihnachtszeit gegeben, wenngleich in einem weniger tugendhaften Sinn.  72 Führerscheinabnahmen im Advent alleine in Vorarlberg sprechen dafür. Andere Bundesländer stehen im Vergleich nicht viel besser da. Aber nicht nur die Verkehrsuntüchtigkeit gibt Anlass zur Sorge. Immer wieder erfrieren Menschen in der kalten Jahreszeit, weil sie im Dunkeln nach Festbesuchen torkelnd den Weg nach Hause bestreiten, unterwegs stolpern und im nasskalten Schnee zum Liegen kommen. Der Alkohol kühlt den Körper zusätzlich durch eine Erweiterung der Gefäße immens aus und besorgt den Rest. In diesen Tagen erfroren in Österreich drei Menschen, als sie sich auf dem Heimweg von Diskotheken und Gasthäusern befanden.

Diese tragischen Beispiele zeigen auf, wie nötig es ist, nicht nur über die Auswirkungen von übermäßigem Alkoholkonsum aufzuklären, sondern auch ernst zu nehmende Alternativangebote zu schaffen. Präventivkampagnen sind gut und richtig, doch auch wenig glaubwürdig, wenn die Realität ein vollkommen konträres Bild zeigt. Wenn Alkohol am Steuer angeprangert wird und gleichzeitig wieder in einem gewissen Rahmen erlaubt ist, wirkt das nicht glaubwürdig. Wenn das Gesundheitsministerium Vieltrinkern rät, mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche einzuplanen, dann jedoch alleine am Beispiel Weihnachtsmarkt keine Alternativen vorhanden sind, die einen Anreiz zum Alkoholverzicht bieten, ist das wenig glaubwürdig.

Der Beitrag wurde am 21. Dezember 2009 um 09:42 veröffentlicht und wurde in der Rubrik Journal, Kommentar gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.


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