Alkohol in Oberösterreich: Die Grünen im Interview

23. September 2009 um 21:25 Uhr

Landtagswahl 2009 in Oberösterreich

Im Zuge der kommenden Landtagswahl in Oberösterreich erhielten wir auch von den Grünen ausführliche Antworten auf unsere Fragen zum Alkoholproblem in unserer Gesellschaft. Nach der KPÖ sind die Grünen die zweite Partei, von der wir bisher eine Rückmeldung erhielten. Nachfolgend unsere Fragen und die Antworten der Grünen:

Eine Erhebung aus 2004 hat ergeben, dass 10,5 Prozent der Österreicher als Alkoholmissbraucher einzustufen sind und 5 Prozent chronischen Alkoholismus betreiben. 18 Prozent pflegen einen mittleren Alkoholkonsum, befinden sich also nicht mehr unter der sogenannten Harmlosigkeitsgrenze. (Handbuch Alkohol Österreich, S. 144, Tab. 19) Welche Maßnahmen will man speziell in Oberösterreich setzen, um das Alkoholproblem in den Griff zu bekommen?

Alkohol ist sozusagen die “Volksdroge” Nummer eins. Es ist normal bei allen gesellschaftlichen Ereignissen Alkohol zu trinken: die Erwachsenen leben es vor, die Jugendlichen machen es nach. Wichtig ist für uns daher, dass auch in OÖ Maßnahmen im Bereich der Aufklärung und Prävention gesetzt werden, dass das bestehende Jugendschutzgesetz besser exekutiert wird und dass vor allem Jugendlichen und

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Die KPÖ über Alkohol in (Ober)Österreich

18. September 2009 um 19:04 Uhr

Landtagswahl 2009 in Oberösterreich

Aus aktuellem Anlass – in Oberösterreich findet am 27. September die Landtagswahl statt – befragten wir die Landesparteiorganisationen zum Alkoholproblem in unserer Gesellschaft. Wir wollten mehr über ihre individuelle Sicht der Dinge und von ihren Lösungsvorschlägen erfahren. Nachfolgend unsere Fragen und die Antworten der KPÖ, von der wir die erste Rückmeldung erhielten:

Eine Erhebung aus 2004 hat ergeben, dass 10,5 Prozent der Österreicher als Alkoholmissbraucher einzustufen sind und 5 Prozent chronischen Alkoholismus betreiben. 18 Prozent pflegen einen mittleren Alkoholkonsum, befinden sich also nicht mehr unter der sogenannten Harmlosigkeitsgrenze. (Handbuch Alkohol Österreich, S. 144, Tab. 19) Welche Maßnahmen will man speziell in Oberösterreich setzen, um das Alkoholproblem in den Griff zu bekommen?

Laut einer Untersuchung des Anton-Proksch-Instituts Wien-Kalksburg zum Thema „Sucht in Österreich“ sind rund 330.000 erwachsene ÖsterreicherInnen alkoholabhängig. Rund 870.000 ÖsterreicherInnen ab 16 sind gefährdet, an Alkoholismus zu erkranken. Im EU-Vergleich liegt Österreich hier im Spitzenfeld. Damit ist Alkohol mit Abstand die Volksdroge Nummer 1. Der Umgang mit der Drogengefahr ist jedoch völlig schieflastig, was auch an der kommerziellen Dimension durch Prozenten und Gastronomie liegt.
Die entscheidende Frage um das Alkoholproblem in den Griff zu bekommen ist vor allem ein sensiblerer Umgang der Gesellschaft mit dem Alkoholkonsum, etwa durch die Werbung oder durch radikales Infragestellen gewisser Trink(un)sitten. Notwendig ist ein anderer Stellenwert des Alkoholkonsums, dieser darf nicht als chic propagiert wird, auch wenn er in einem bestimmten Maße als seit Jahrhunderten üblicher Teil der gesellschaftlichen Realität akzeptiert werden muss.
Entsprechende Maßnahmen sind in der Abgabe von Alkohol vor allem an Jugendliche, Einflußnahme auf die Werbung, durch Besteuerung, Preisgestaltung usw., aber auch in der Darstellung der individuellen Schädigung alkoholsüchtiger- oder kranker Menschen wie auch der gesellschaftlichen Kosten durch die Auswirkung des Alkoholkonsums erforderlich.

Durch Alkoholkonsum ausgelöste oder begünstigte Gewalt stellt ein immenses Problem dar. In Deutschland existieren Daten, wonach in manchen Ländern bereits jede zweite jugendliche Gewalttat unter Alkoholeinfluss geschieht. Welche konkreten Vorschläge zur Eindämmung der alkoholassoziierten Gewalt können Sie bieten?

Übermäßiger und exzessiver Alkoholkonsum ist auch ein Symptom für den Zustand der Gesellschaft. Alkohol (wie auch andere Drogen) sind vielfach nur der Katalysator für tiefer liegende gesellschaftliche und vor allem soziale Ursachen. Übermäßiger Alkoholkonsum hat eine Ventilfunktion und hängt vielfach auch mit fehlenden Perspektiven, Zukunftsangst und Protest gegen Autoritäten, aber auch Stress, Dauerdruck etc. zusammen. Eine wesentliche Aufgabe ist daher die Entwicklung eines entsprechenden Problembewusstseins durch Familie, Schule, Medien und Gesellschaft, rechtzeitiges Eingreifen bei auffallendem Alkoholkonsum bzw. damit verbundener Gewalt, aber auch eine möglichst früh ansetzende Suchtprävention.

Alkoholwerbung spricht häufig junge Menschen an und sorgt dafür, dass dem Alkohol ein besseres Image zuteil wird als er eigentlich verdient. Dies ist womöglich der Hauptgrund, weshalb Präventionsprogramme nicht fruchten. Jegliche Prävention erscheint nämlich unglaubwürdig, wenn ihr die Werbespots und -plakate der Alkoholindustrie gegenüberstehen, in denen der Konsum alkoholischer Getränke als vernünftig dargestellt wird. Wäre es aus Ihrer Sicht daher sinnvoll, Alkoholwerbung einzuschränken oder gar zu verbieten?

Ein Verbot der Werbung für alkoholische Getränke oder von Sponsoring von Sport-, Kultur- oder sonstigen Veranstaltungen durch Firmen die Alkohol produzieren oder handeln wäre insofern wichtig, als das angeblich coole Image des Alkoholkonsums und die Selbstverständlichkeit zu Trinken in Frage gestellt und soweit wie möglich beseitigt und der Alkoholkonsum auf ein individuell und gesellschaftlich kontrollierbares Maß beschränkt würde.
Laut WHO machen die großen Alkoholproduzenten Jugendliche (unter anderem auch durch die forcierte Mischung von Alkohol mit Fruchtsäften oder vorgemixte Alkoholika) bewusst zu Gewohnheitstrinkern, ein Zustand der rasch abgestellt werden muss.

In Österreich werden jährlich etwa 3.600 bis 3.800 Menschen bei Alkoholunfällen verletzt (in Oberösterreich mit zuletzt 709 die meisten im Bundesländervergleich) und knapp 60 getötet. (Statistik Austria). Sind die jüngst getroffenen Maßnahmen ausreichend, um die Straßen in Hinsicht auf alkoholisierte Fahrer sicherer zu machen? Sind Sie dafür, beim Lenken eines Fahrzeuges generell auf Alkoholkonsum zu verzichten? Wenn ja, warum nicht gesetzlich verankern?

Eine 0,0-Promille-Grenze kann Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss zwar reduzieren, aber letztlich ebenso wenig gänzlich verhindern wie, dass Raser nach Führerscheinentzug trotzdem Autofahren und Unfälle verursachen. Auch hier gilt es einen anderen gesellschaftlichen Umgang mit der Droge Alkohol zu entwickeln, etwa indem betrunkene Personen von ihrem Umfeld am Autofahren gehindert werden und öffentliche Verkehrsmittel attraktiver werden, etwa durch eine von der KPÖ geforderte Freifahrt. Klar ist aber, dass es rigide Konsequenzen für alkoholisierte VerkehrsteilnehmerInnen die Unfälle verursachen geben muss.

Die Antworten übermittelte uns Leo Furtlehner, Landessprecher der KPÖ und Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2009. Web: ooe.kpoe.at