Alkohol und die Adventzeit

21. Dezember 2009 um 09:42 Uhr

In der Vorweihnachtszeit werden die Probleme im Zusammenhang mit Alkohol besonders offensichtlich. Wenn im Dezember die Temperaturen schon unter tags weit unter Null fallen und das Verlassen der eigenen vier Wände ohne Wollhaube und Handschuhe zur groben Fahrlässigkeit wird, erfreuen sich auch die Punsch- und Glühweinstände in den heimischen Adventmärkten regen Zulaufs.

Neben den klassischen Gustoständen mit ihren Lebkuchenkeksen, dem Kletzenbrot,  den Früchtespießen und den Schaumrollen reihen sich zwischen Textilienausstellern und Dekorartikelverkäufern auch die nicht weniger traditionellen Most- und Glühweinstände. Denn heiße Getränke zur Erwärmung des fröstelnden Leibes werden immer als Wohltat empfunden, auch in der Krise. Der Alkohol und die Geselligkeit am Punschstand sind Mitbringsel, denen man gemeinhin nicht ablehnend gegenübersteht.

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Eine paradoxe Koexistenz

4. Dezember 2009 um 21:01 Uhr

Im Standard erschien nun ein Artikel über ein Salzburger Sonderkrankenhaus zur Entwöhnung für Alkohol- und Medikamentenabhängige. Mit 18 Betten ist es eine relativ kleine Einrichtung, aber gerade in der Überschaubarkeit liegt ihr Vorteil. Seit 1979 wurden 2.200 Patienten erfolgreich behandelt, die Salzburger Gebietskrankenkasse steckt zudem jährlich 780.000 Euro in die Suchtentwöhnungsklinik.

Alkohol

Dennoch gibt es nicht genug Einrichtungen wie diese. Die Zahl der Alkoholiker in Österreich wird auf etwa 340.000 geschätzt, 10.000 Menschen erkranken jährlich neu an chronischem Alkoholismus. Österreich ist dennoch weit von einem generellen Werbeverbot für alkoholische Getränke entfernt. Während man diese Restriktionen bei Tabak schwer aber doch umsetzen konnte, verhindern die Alkoholindustrie und ihre Abhängigen seit Jahren entsprechende Initiativen. Man ist verblüfft ob dieser paradoxen Koexistenz: Es darf mit dem Sanktus des Staates aktiv für Alkohol geworben werden, während gleichzeitig Millionen an Steuergeldern in Suchtkliniken und Aufklärungskampagnen investiert werden.

Wann wird man endlich begreifen, dass es widersinnig und im präventiven Aspekt absolut sinnfrei ist, einerseits Alkohol marktschreierisch zu bewerben und andererseits trocken über dessen Schädlichkeit aufzuklären? So wie die Dinge liegen ist zu erwarten, dass man sich auch in Zukunft noch begnügt, seinen präventiven Pflichtteil durch Aufklärungskampagnen zu leisten und sich dann dafür lobpreisen zu lassen, dass die Zahl der wasauchimmer zurückgegangen ist – wohl wissend dass der erfreuliche Rückgang in der natürlichen Schwankungsbreite liegt. Doppelmoralisch und heuchlerisch ist die österreichische Alkoholpolitik.

ARBÖ und ÖAMTC gegen 0,0 Promille

24. November 2009 um 20:42 Uhr

Experten aus ARBÖ und ÖAMTC sprechen sich gegen eine 0,0-Promille-Grenze beim Autofahren aus. Eine nachvollziehbare Begründung bleiben die Vertreter der Autofahrerclubs aber schuldig.

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“Wenn ich weiß, dass nicht kontrolliert wird, wird mich das – auch bei höheren Strafen – nicht abschrecken”, so der Grundtenor der Experten aus beiden Clubs. Dieser Feststellung kann man zustimmen, doch sie ist nicht als Argument gegen eine Null-Promille-Grenze zu verstehen. Rational begründen kann man die Null-Promille-Grenze damit, dass eine Beeinträchtigung nicht erst ab 0,5 Promille Blutalkoholkonzentration gegeben ist, sondern bereits deutlich früher. Da das Lenken eines Fahrzeuges unter größtmöglicher Aufmerksamkeit geschehen sollte, müssen allfällige Störquellen beseitigt und geahndet werden, wobei es sich als praktikabel erwiesen hat, sich auf augenfällige und leicht beweisbare Störquellen wie Alkohol oder Handy am Steuer zu konzentrieren.

Ein weiterer Vorteil einer Nullgrenze ist die leichte Verständlichkeit für Laien, denn die oft  milchmädchenhafte, näherungsweise Errechnung des Alkoholgehalts, die praktisch nie mit den tatsächlichen Werten übereinstimmt, würde entfallen. Darüber hinaus würde endlich jene Doppelmoral wegfallen, mit der man gegenwärtig versucht, Prävention zu betreiben. Wie fruchtbar kann es sein, einerseits Alkohol am Steuer anzuprangern, andererseits aber Alkohol am Steuer (nämlich bis 0,5 Promille) zu billigen? Entweder lässt sich Alkohol mit dem Lenken eines Fahrzeuges vereinen, oder nicht. Die jetzige Grenzziehung ist rein willkürlich.

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Dass eine Herabsetzung der Promillegrenze auf Null isoliert quasi nutzlos wäre, könnte stimmen. Jedoch wäre auch eine 0,5-Promille-Grenze isoliert betrachtet nutzlos, würde man deren Einhaltung nicht kontrollieren. In Kombination mit einer erhöhten Kontrolldichte wäre eine Nullgrenze aufgrund der oben genannten Aspekte aber womöglich sinnvoller und sollte angedacht werden. Auch die Konfiszierung von Fahrzeugen nach wiederholtem Alkoholkonsum am Steuer hat einen größeren praktischen Nutzen als eine mehrmalige finanzielle Belastung und sollte daher ebenfalls in ein Konzept zur Erhöhung der Verkehrssicherheit einfließen.

Kampagne “Alkohol am Steuer: Könnten Sie damit leben?”

6. November 2009 um 22:17 Uhr

Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie startet pünktlich zur traditionell feier-intensiven Vorweihnachtszeit eine neue Kampagne mit dem handfesten Titel “Alkohol am Steuer: Könnten Sie damit leben?”. Angesichts der Tatsache, dass Alkoholunfälle seit Jahren auf hohem Niveau stagnieren und zuletzt der Anteil der Alkoholunfälle am Gesamtunfallgeschehen mit 6,8 % einen neuen Höchststand erreichte, will man Bewusstsein schaffen. Eine tabellarische Auflistung der Alkoholunfälle der letzten Jahre, gegliedert in Alkoholunfälle, Verletzte und Getötete bietet übrigens die Statistik Austria.

Die breit angelegte Medienkampagne umfasst zum einen Kino-, TV- und Radiospots sowie Inserate in österreichischen Medien. Zum anderen setzt man auch auf neue Medien und soziale Netzwerke, wie Facebook, den Videodienst Youtube oder die Kurznachrichten-Plattform Twitter, was natürlich zu begrüßen ist, da man so genau das junge Zielpublikum erreicht. Altbewährtes wie Plakate im öffentlichen Raum runden die Kampagne ab. Auch ein “Schockvideo” ist bereits verfügbar und kann auf den Seiten des BMVIT angesehen werden.

Die Evaluation obliegt dem Kuratorium für Verkehrssicherheit.  Prognosen wage ich zwar keine abzugeben, jedoch ist naheliegend, dass Maßnahmen isoliert oft nicht zum gewünschten Erfolg führen. Zwar gibt es vereinzelt Kampagnen mit thematischen Überschneidungen, es bedürfte aber einer breiten öffentlichen Diskussion über Alkoholismus in Österreich, über alkoholisiertes Fahrzeuglenken als grundsätzlich verwerfliches Verhalten, über Jugendalkoholismus und die Verantwortung der älteren Generationen, über Gewalt in Zusammenhang mit Alkohol und die Bewerbung von Alkoholika. Kurzum: über den Stellenwert von Alkohol in unserer Gesellschaft. Darüber hinaus müsste die Kontrolldichte weiter erhöht werden, sodass sich ein potentieller Alkofahrer nicht zwei-, sondern dreimal überlegt, bevor er sich alkoholisiert ans Steuer setzt. Damit einhergehend soll eine Verschärfung der Sanktionen auf das Inbetriebnehmen eines Fahrzeuges in alkoholisiertem Zustand angestrebt werden – allerdings weniger in Hinblick auf eine Erhöhung der Geldstrafen. Nach italienischem Vorbild könnte der Staat bei wiederholten Alkoholvergehen das jeweilige Fahrzeug konfiszieren.

VCÖ will 0,1-Promillegrenze bis zum 24. Lebensjahr

9. Oktober 2009 um 16:36 Uhr

Der VCÖ vermeldete in seiner jüngsten Aussendung, dass sich in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bereits über 1.300 Alkoholunfälle ereignet haben, wobei über 1.800 Personen verletzt wurden und 29 Menschen den Tod fanden. Neben der obligaten Forderung nach einer Erhöhung der Kontrolldichte spricht man sich für eine Verlängerung der Promillegrenze für Fahranfänger bis zum 24. Lebensjahr aus. Gegenwärtig beträgt die Probezeit für den Normalführerschein zwei, für L 17 drei Jahre. Das bedeutet, dass in Österreich niemand unter dem 20. Lebensjahr unter die 0,5-Promille-Grenze fallen kann. Der VCÖ schreibt:

Der VCÖ erinnert daran, dass bereits bei 0,5 Promille das tödliche Unfallrisiko doppelt so hoch ist wie bei 0,0 oder 0,1 Promille. Die Reaktionsfähigkeit nimmt ab, die Risikobereitschaft steigt. „Don’t drink and drive“ sollte daher immer gelten. Wer ein Auto lenkt, für den gibt es nur eine richtige Promillegrenze und die liegt bei 0,0 Promille“, betont VCÖ-Experte Blum.

Richtig und konsequent wäre es, aufgrund dieser völlig korrekten Argumentation auch eine allgemeine 0,0 bzw. 0,1-Promille-Grenze zu fordern und nicht lediglich die Führerscheinneulinge mittels Verlängerung der Probefristen in die Zange zu nehmen.

Wifo: Höhere Besteuerung von Alkohol

30. September 2009 um 22:16 Uhr

Das Wirtschaftsforschungsinstitut bemerkt, dass die Steuerreform 2009 zwar die Inflation kompensieren konnte, kritisiert aber, dass sich an der hohen steuerlichen Belastung der Einkommen durch Sozialversicherung und Lohnsteuer dennoch nichts geändert hat. Neben einer Senkung der Steuern auf Arbeit schlägt man deshalb vor, sogenannte “public bads” (Güter, die unerwünschte soziale Kosten verursachen) mit höheren Abgaben zu belasten. Ein “public bad” par excellence ist Alkohol.

Sehen wir uns an, wie die steuerliche Belastung von alkoholischen Getränken in den letzten Jahren erfolgte. Grundsätzlich wurden die durch Alkohol erzielten Steuererträge kaum je gesundheitspolitischen Maßnahmen zugeführt, sondern meist vom Staat als zusätzliche Einnahmequelle betrachtet, wie das API mitteilt. Nachdem man Weinsteuer, Getränkesteuer und Schaumweinsteuer abgeschafft hat, kann der Staat auf den Preis alkoholischer Getränke theoretisch nur noch über Umsatzsteuer, Alkoholsteuer, Biersteuer, Schaumweinsteuer und Zwischenerzeugnissteuer eingreifen.

Die Europäische Charta Alkohol widmet der Preisgestaltung als alkoholpolitische Maßnahme einen eigenen Punkt. In den “zehn Strategien für alkoholbezogene Maßnahmen” heißt es unter 4.:

Gesundheitsförderung durch Einschränkung der Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken, z. B. für Jugendliche, und durch Einwirkung auf ihren Preis, beispielsweise über die Steuern.

Eine Erhöhung der alkoholbezogenen Abgaben ist nicht nur in Österreich ein Thema. Ebenso bspw. in Deutschland werden immer wieder Erhöhungen der Alkoholsteuer diskutiert und auch in der Schweiz existieren Konzepte und Ideen, die nicht nur darauf abzielen, dem Alkoholproblem Herr zu werden, sondern auch die alkoholassoziierten Kosten decken sollen. Alkoholpolitische Maßnahmen, die eine Reduzierung der alkoholbezogenen Schäden bzw. Kosten zum Ziel haben, sind in Österreich – wie im übrigen alpinen bzw. mediterranen Raum – generell jedoch schwer umzusetzen. Dies liegt wahrscheinlich am “integrativen Trinkverhalten” in den genannten Regionen. Alkohol wird als Bestandteil der kulturellen Identität und als Genussmittel wahrgenommen, weshalb nur wenige Menschen völlig alkoholabstinent leben.

Zusätzliche Einnahmen durch höher besteuerte “bad goods” können im Endeffekt einen Beitrag zur Krisenbekämpfung leisten, wenngleich man damit der ursprünglichen Idee – nämlich jene Einnahmen für gesundheitspolitische Maßnahmen zu verwenden – keinesfalls Rechnung tragen würde. Fraglich ist in diesem Zusammenhang, ob sich Steuererhöhungen u. a. auf “bad goods” überhaupt vermeiden lassen, wenn in den nächsten Jahren all die Milliarden aufgebracht werden müssen, die in der Krise u. a. in die Rettung der kaputt gewirtschafteten Banken investiert wurden.

Neue Kampagne “Ernährung kann was”

12. September 2009 um 14:45 Uhr

Das Gesundheitsministerium startet eine neue Ernährungskampagne mit dem Slogan “Ernährung kann was”. Man will aufzeigen, dass eine gesunde Ernährung keiner teuren Hilfsmittel bedarf, strenge Verbote oder eine strikte Diät sind zudem meist unnötig. Auch der Alkohol wird ins Visier genommen, konsumieren doch 11 % der erwachsenen Österreicher Alkoholmengen, die als erheblich gesundheitsgefährdend gelten und weitere 18 % Mengen, die als “bedenklich” für die Gesundheit eingestuft werden.

In einer Broschüre wird auf vier Themen eingegangen, bei denen die Defizite der Österreicher groß sind: Obst und Gemüse, Milchprodukte, Alkohol und die richtige Aufteilung am Teller.  Unter dem Titel “Wir tun´s zumindest 2x wöchentlich” rät man zum Alkoholverzicht – mindestens zwei Tage die Woche sollte der Österreicher keinen Alkohol konsumieren, damit sich der Körper einigermaßen erholen kann. Sehr löblich ist, dass auf alkoholfreie Getränke als wunderbare Alternative zu alkoholischen Drinks hingewiesen wird und direkt ein simples Rezept zum Ausprobieren angeboten wird.

Doch ein großes Manko ist, dass man einmal mehr zum “bewussten Genießen” der Droge Alkohol aufgefordert wird und die positiven Auswirkungen eines generellen Verzichts nicht einmal angesprochen werden. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass man “Wasser gegen den Durst trinken [soll], Alkohol genießen!” oder dass “Ein Gläschen Wein [..] etwas sehr Genussvolles [ist]. Genießen mit Maß lautet das gesunde Motto.” Man kann sich beim Lesen der Broschüre des Eindruckes nicht erwehren, dass bereits die “Flinte ins Korn geworfen” wurde und man es mittlerweile aufgegeben hat, für den Verzicht auf Alkohol als einen gesunden Lebensstil zu werben. Vielmehr steht heute Schadensbegrenzung am Programm. Anstatt den Menschen begreiflich zu machen, dass Alkohol eine Droge mit großem Schadpotenzial ist, versucht man mühevoll, ihnen zwei alkoholfreie Tage pro Woche schmackhaft zu machen und weist irrsinnigerweise sogar darauf hin, dass diese Tage möglichst nicht mit Besuchen von Bekannten oder festlichen Anlässen kollidieren sollten.

Die klügere Option wäre, den Menschen sogar nahezulegen, diese alkoholfreien Tage genau dann anzusetzen, wenn man Besuch erwartet. Den Gästen könnten nach allen Regeln der Kunst alkoholfreie Getränke serviert werden, diese wären womöglich von der Idee angetan, würden diese idealerweise nachahmen und die Kampagne an sich würde ihrem Zweck gerecht werden. Denn Mundpropaganda war noch immer die effizienteste Form der Werbung.

Der Rat, wöchentlich zwei alkoholfreie Tage einzuplanen, muss insofern kritisiert werden, als dass er die menschliche Faulheit bedient. Zu viele werden den Weg des geringsten Widerstandes gehen, alibimäßig zwar tatsächlich an zwei Tagen in der Woche auf Alkohol verzichten, dies jedoch Montags und Dienstags tun, wo sie ohnehin auch sonst wenig bis gar keinen Alkohol konsumieren würden, während die problematischen wochenendlichen Trinkgewohnheiten unverändert bleiben.

Es ist also in Frage zu stellen, ob diese lasche Art der Umsetzung tatsächlich zielführend ist oder ob nicht eine konsequente, vielleicht sogar radikale Wurzelbehandlung eher das Mittel der Wahl wäre. Wie ich die Situation einschätze, ist die momentane Form der Prävention aber das Höchste der Gefühle für Österreich – mehr geht einfach (noch) nicht.

Private Sicherheitskräfte zum Schutz der Bevölkerung

2. September 2009 um 13:44 Uhr

In St. Valentin werden nun private Sicherheitskräfte eingesetzt, um die Bevölkerung vor alkoholisierten Vandalen zu schützen, welche nächtens durch die Straßen ziehen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Sie reißen Autoantennen ab, klauen Mercedessterne oder verstreuen Zeitungen in der Umgebung – hinzu kommt der Lärm und das Gegröle der jugendlichen Nachtschwärmer. Die Kosten für den Sicherheitsdienst wurden auf die Wirte und die Stadtgemeinde aufgeteilt. Bürgermeister Wimmer zeigte sich im Interview zuversichtlich und optimistisch.

Man arbeitet also an der Beseitung der Symptome, um die Krankheit dahinter zu verschleiern. Denn es wäre beschränkt, zu glauben, man könnte dem ausufernden Alkoholismus der Jugendlichen durch private Sicherheitsleute Herr werden. Paradox: erst wird den jungen Menschen das unbeschwerte Besäufnis ermöglicht und dann zeigt man sich bestürzt über die logische Folge der kollektiven Alkoholisierung, nämlich Gewalt.

Arbeitgeber abgeschreckt von Partyfotos

23. August 2009 um 18:50 Uhr

“Jeder zweite Chef spioniert Arbeitnehmer online aus” titelte der Standard gestern in seiner Onlineausgabe. Weiter im Text war dann zu lesen, dass laut einer Studie 44 % der Arbeitgeber abgeschreckt sind, wenn sie im Internet Hinweise auf einen möglichen Alkohol- bzw. Drogenkonsum des potentiellen Arbeitnehmers finden.

Von Spionage kann wahrhaftig keine Rede sein, wenn Arbeitgeber die Namen ihrer Jobanwerber in Suchmaschinen eintippen und die sich ihnen bietenden Ergebnisse betrachten. Denn sämtliche Informationen sind in den meisten Fällen bewusst vom Anwerber selbst ins Internet gestellt worden, im Wissen, dass auch andere Menschen diese Informationen abrufen können. Spionage hingegen wäre, gezielt nach ungreifbaren und im Verborgenen liegenden Daten zu graben. Das Problem sind aber nicht die Chefs, die keine Katze im Sack kaufen wollen, es sind vielmehr die unachtsamen Jobanwerber, welche ihrerseits Inhalte ins Netz stellen, die ihnen dann zum Verhängnis werden.

Auf diversen sozialen Netzwerken werden mit Vorliebe Fotos veröffentlicht, die Menschen bei ihren nächtlichen Trinkexzessen abbilden. Dieserart beeindruckende Momente wollen schließlich für die Nachwelt aufbewahrt bleiben – geradezu perfekt, denn das Internet vergisst nichts. Über Archivdienste können manche Inhalte noch Jahre nach der Löschung auf der betreffenden Webseite abgerufen werden, selbst wenn die jeweilige Webseite nicht mehr existiert. Gerade Jugendliche übersehen diesen Aspekt bisweilen und sind Jahre später beim ersten Bewerbungsgespräch dann verdutzt, dass sie der Arbeitgeber plötzlich mit alten Trinkfotos konfrontiert.

Doch nicht nur Jobanwerber werden einer eingehenden Prüfung unterzogen, auch ständigen Mitarbeitern fühlt die Personalabteilung gelegentlich auf den Zahn. Besonders aber dann, wenn sich der Krankenstand häuft oder man öfters am Montag angeblich mit Fieber das Bett hütet und einfach nicht zur Arbeit erscheinen kann. Durch die Datums- und Zeitangaben bei Fotos auf Online-Plattformen kann der Arbeitgeber herausfinden, an welchem Tag das jeweilige Foto aufgenommen wurde. Wer am Sonntag noch feucht und fröhlich auf Partys das Tanzbein schwingt und am Tag darauf mit 40 Grad Fieber krank feiert, wirkt unglaubwürdig. Der Chef wird zunehmend misstrauisch, bohrt nach und findet bald heraus, was es mit den ständigen Krankmeldungen auf sich hat. Dann jedoch wird man nicht nur die Anstellung verlieren, sondern auch ernste Probleme mit der Krankenkasse bekommen.

Massenschlägerei bei Party

um 17:56 Uhr

In der Nacht auf Sonntag kam es in der Nähe von Salzburg zu einer Massenschlägerei bei einer von der Jungen ÖVP initiierten Party. Die Polizei führte bereits zu Beginn der Feier Alkoholtests bei den jugendlichen Besuchern durch, die Werte bis zu 1,5 Promille ergaben. Laut Sicherheitsdirektion Salzburg war ein Großteil der Besucher schwerst alkoholisiert. Die Anzahl der Verletzten steht derzeit noch nicht fest.

Ein Repräsentant der Jungen ÖVP meinte gegenüber dem ORF: “Es ist einfach schwierig, wenn verfeindete Jugendliche kommen. Da ist man als Veranstalter machtlos.” Nun dürfte ja nicht unbekannt sein, dass Alkohol in geeigneter Dosis enthemmt und zu aggressivem Verhalten führt. Wer das Lebenselixier dennoch auf einer Veranstaltung anbietet, muss natürlich mit den möglichen, aber logischen Folgen rechnen. Es mögen verfeindete Gruppen gewesen sind, die da aufeinander einprügelten. Doch wäre die Situation derart eskaliert, wenn nicht ein Großteil der Besucher “schwerst alkoholisiert” gewesen wäre, wie die Polizei mitteilt? Im Nachhinein war der Veranstalter nachvollziehbarerweise “machtlos”, denn knapp 30 schlägernde Jugendliche zu trennen bedarf etwas mehr als zwei Hände. Doch man hätte in weiser Voraussicht den Alkoholausschank stark einschränken oder gar auf ihn verzichten können. So sind dieserart Probleme natürlich hausgemacht.