Das Gesundheitsministerium startet eine neue Ernährungskampagne mit dem Slogan “Ernährung kann was”. Man will aufzeigen, dass eine gesunde Ernährung keiner teuren Hilfsmittel bedarf, strenge Verbote oder eine strikte Diät sind zudem meist unnötig. Auch der Alkohol wird ins Visier genommen, konsumieren doch 11 % der erwachsenen Österreicher Alkoholmengen, die als erheblich gesundheitsgefährdend gelten und weitere 18 % Mengen, die als “bedenklich” für die Gesundheit eingestuft werden.
In einer Broschüre wird auf vier Themen eingegangen, bei denen die Defizite der Österreicher groß sind: Obst und Gemüse, Milchprodukte, Alkohol und die richtige Aufteilung am Teller. Unter dem Titel “Wir tun´s zumindest 2x wöchentlich” rät man zum Alkoholverzicht – mindestens zwei Tage die Woche sollte der Österreicher keinen Alkohol konsumieren, damit sich der Körper einigermaßen erholen kann. Sehr löblich ist, dass auf alkoholfreie Getränke als wunderbare Alternative zu alkoholischen Drinks hingewiesen wird und direkt ein simples Rezept zum Ausprobieren angeboten wird.
Doch ein großes Manko ist, dass man einmal mehr zum “bewussten Genießen” der Droge Alkohol aufgefordert wird und die positiven Auswirkungen eines generellen Verzichts nicht einmal angesprochen werden. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass man “Wasser gegen den Durst trinken [soll], Alkohol genießen!” oder dass “Ein Gläschen Wein [..] etwas sehr Genussvolles [ist]. Genießen mit Maß lautet das gesunde Motto.” Man kann sich beim Lesen der Broschüre des Eindruckes nicht erwehren, dass bereits die “Flinte ins Korn geworfen” wurde und man es mittlerweile aufgegeben hat, für den Verzicht auf Alkohol als einen gesunden Lebensstil zu werben. Vielmehr steht heute Schadensbegrenzung am Programm. Anstatt den Menschen begreiflich zu machen, dass Alkohol eine Droge mit großem Schadpotenzial ist, versucht man mühevoll, ihnen zwei alkoholfreie Tage pro Woche schmackhaft zu machen und weist irrsinnigerweise sogar darauf hin, dass diese Tage möglichst nicht mit Besuchen von Bekannten oder festlichen Anlässen kollidieren sollten.
Die klügere Option wäre, den Menschen sogar nahezulegen, diese alkoholfreien Tage genau dann anzusetzen, wenn man Besuch erwartet. Den Gästen könnten nach allen Regeln der Kunst alkoholfreie Getränke serviert werden, diese wären womöglich von der Idee angetan, würden diese idealerweise nachahmen und die Kampagne an sich würde ihrem Zweck gerecht werden. Denn Mundpropaganda war noch immer die effizienteste Form der Werbung.
Der Rat, wöchentlich zwei alkoholfreie Tage einzuplanen, muss insofern kritisiert werden, als dass er die menschliche Faulheit bedient. Zu viele werden den Weg des geringsten Widerstandes gehen, alibimäßig zwar tatsächlich an zwei Tagen in der Woche auf Alkohol verzichten, dies jedoch Montags und Dienstags tun, wo sie ohnehin auch sonst wenig bis gar keinen Alkohol konsumieren würden, während die problematischen wochenendlichen Trinkgewohnheiten unverändert bleiben.
Es ist also in Frage zu stellen, ob diese lasche Art der Umsetzung tatsächlich zielführend ist oder ob nicht eine konsequente, vielleicht sogar radikale Wurzelbehandlung eher das Mittel der Wahl wäre. Wie ich die Situation einschätze, ist die momentane Form der Prävention aber das Höchste der Gefühle für Österreich – mehr geht einfach (noch) nicht.