Arbeitgeber abgeschreckt von Partyfotos
23. August 2009 um 18:50 Uhr“Jeder zweite Chef spioniert Arbeitnehmer online aus” titelte der Standard gestern in seiner Onlineausgabe. Weiter im Text war dann zu lesen, dass laut einer Studie 44 % der Arbeitgeber abgeschreckt sind, wenn sie im Internet Hinweise auf einen möglichen Alkohol- bzw. Drogenkonsum des potentiellen Arbeitnehmers finden.
Von Spionage kann wahrhaftig keine Rede sein, wenn Arbeitgeber die Namen ihrer Jobanwerber in Suchmaschinen eintippen und die sich ihnen bietenden Ergebnisse betrachten. Denn sämtliche Informationen sind in den meisten Fällen bewusst vom Anwerber selbst ins Internet gestellt worden, im Wissen, dass auch andere Menschen diese Informationen abrufen können. Spionage hingegen wäre, gezielt nach ungreifbaren und im Verborgenen liegenden Daten zu graben. Das Problem sind aber nicht die Chefs, die keine Katze im Sack kaufen wollen, es sind vielmehr die unachtsamen Jobanwerber, welche ihrerseits Inhalte ins Netz stellen, die ihnen dann zum Verhängnis werden.
Auf diversen sozialen Netzwerken werden mit Vorliebe Fotos veröffentlicht, die Menschen bei ihren nächtlichen Trinkexzessen abbilden. Dieserart beeindruckende Momente wollen schließlich für die Nachwelt aufbewahrt bleiben – geradezu perfekt, denn das Internet vergisst nichts. Über Archivdienste können manche Inhalte noch Jahre nach der Löschung auf der betreffenden Webseite abgerufen werden, selbst wenn die jeweilige Webseite nicht mehr existiert. Gerade Jugendliche übersehen diesen Aspekt bisweilen und sind Jahre später beim ersten Bewerbungsgespräch dann verdutzt, dass sie der Arbeitgeber plötzlich mit alten Trinkfotos konfrontiert.
Doch nicht nur Jobanwerber werden einer eingehenden Prüfung unterzogen, auch ständigen Mitarbeitern fühlt die Personalabteilung gelegentlich auf den Zahn. Besonders aber dann, wenn sich der Krankenstand häuft oder man öfters am Montag angeblich mit Fieber das Bett hütet und einfach nicht zur Arbeit erscheinen kann. Durch die Datums- und Zeitangaben bei Fotos auf Online-Plattformen kann der Arbeitgeber herausfinden, an welchem Tag das jeweilige Foto aufgenommen wurde. Wer am Sonntag noch feucht und fröhlich auf Partys das Tanzbein schwingt und am Tag darauf mit 40 Grad Fieber krank feiert, wirkt unglaubwürdig. Der Chef wird zunehmend misstrauisch, bohrt nach und findet bald heraus, was es mit den ständigen Krankmeldungen auf sich hat. Dann jedoch wird man nicht nur die Anstellung verlieren, sondern auch ernste Probleme mit der Krankenkasse bekommen.